Pflegende Angehörige brauchen Unterstützung – Aktionstag weist auf ihre hohe Belastung hin

„Pflegenden Angehörigen müssen dringend mehr Aufmerksamkeit geschenkt und Entlastungsangebote gemacht werden. Sie sind durch die häusliche Pflege oft bis an die eigenen Grenzen gefordert, manchmal auch überfordert. Sie brauchen ein Netzwerk an Hilfe und Unterstützung, damit sie die wichtige Aufgabe der Pflege von älteren oder behinderten Angehörigen weiterhin übernehmen können,“ forderte der Vorsitzende der hessischen SPD-Landtagsfraktion Thorsten Schäfer-Gümbel anlässlich des Aktionstags „Pflegende Angehörige – die Familie, der größte Pflegedienst Deutschlands“ am 8.September 2012.

Die meisten Pflegebedürftigen wollten in ihrem gewohnten zu Hause bleiben und nicht in stationäre Einrichtungen umsiedeln. „Mehr als zwei Drittel der Pflegebedürftigen werden durch nahe Angehörige versorgt, meist sind es die Ehefrau, die Tochter oder die Schwiegertochter. Selbst Kinder und Jugendliche sind in der häuslichen Pflege involviert. Diese Leistung muss mehr anerkannt und nicht als selbstverständlich erachtet werden“, erklärte Schäfer-Gümbel.

Darüber hinaus bräuchten die pflegenden Angehörigen mehr Unterstützung. „Wer einen schwer pflegebedürftigen Menschen versorgt, ist ständig gefordert. Wir brauchen Netzwerke der Hilfe für diese Menschen, damit sie nicht selbst erkranken. Wir brauchen zugehende Stellen, an denen pflegenden Angehörigen Hilfe angeboten wird. Auch eine neue Nachbarschaftskultur der gegenseitigen Unterstützung ist hier geboten. Wir dürfen pflegende Angehörige nicht alleine lassen und wegsehen“, stellte Schäfer-Gümbel fest.

Der Gesundheits- und Aktionstag „Pflegende Angehörige“ sei eine gute Gelegenheit, auf die Bedürfnisse der Betroffenen hinzuweisen. „Häusliche Pflege wird in Zukunft noch stärker gefragt sein, denn der Anteil der Menschen, die pflegebedürftig sind, steigt durch den demografischen Wandel an. Wenn wir wollen, dass Angehörige auch weiterhin einen großen Teil dieser Leistung erbringen, dürfen wir sie nicht alleine lassen und häusliche Pflege zur individuellen Aufgabe erklären“, so Schäfer-Gümbel. Die Gesellschaft habe die Verpflichtung, Unterstützung anzubieten. Gefragt seien nicht immer mehr und größere Pflegeheime, sondern ein Netz ambulanter Unterstützung. „Pflegebedürftige wollen in aller Regel zu Hause gepflegt werden. Dieser Wunsch muss respektiert werden. Darum müssen Angehörige, die Pflege übernehmen, in ihrer Rolle gestärkt und entlastet werden“, erklärte Schäfer-Gümbel.

Die Gesundheits- und Aktionstage „Pflegende Angehörige“ wurden Anfang 2012 von Holm Schmidt, der selbst Betroffener ist, initiiert und sind im nationalen und internationalen Gesundheitskalender der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung eingetragen. Es wird jährlich einen Hauptaktionstag geben, jeweils am zweiten Samstag im September des Jahres. An diesem Tag werden Entlastungsangebote in der häuslichen Pflege durch die Arbeitsgemeinschaft „Pflegende Angehörige“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Hier können pflegende Angehörige direkt berichten und Fragen an anwesende Verantwortliche aus Politik und Sozialwesen stellen.

Thorsten Schäfer-Gümbel ist der erste Botschafter der Arbeitsgemeinschaft „Pflegende Angehörige“, die als Lobby für die betroffenen Menschen auftritt und gemeinsam mit Selbsthilfegruppen auf die Situation in der häuslichen Pflege aufmerksam machen will.

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