Gewerkschaftliches und sozialdemokratisches Urgestein wird 90 Jahre alt

Anlässlich seines 90. Geburtstages richten die Industriegewerkschaft Metall, der SPD Unterbezirk Gießen und der Deutsche Gewerkschaftsbund gemeinsam einen Empfang zu Ehren von Fritz Stoll aus.

Der Empfang wird auf Wunsch von Fritz Stoll an einer maßgeblichen Stätte seines Wirkens – dem Gewerkschaftshaus in Gießen – stattfinden. Fritz Stoll hat die Gewerkschafts- und Kommunalpolitik in der Stadt und im Landkreis Gießen in mehr als drei Jahrzehnten entscheidend geprägt.

1960 begann er seine Tätigkeit als zweiter Bevollmächtigter bei der IG Metall, Verwaltungsstelle Gießen. 1965 wurde er zum Vorsitzenden des damaligen DGB–Kreises Gießen gewählt und stand nach der großen mittelhessischen Gebietsreform dem DGB-Kreis Lahn-Dill vor. Zugleich kandidierte er für die SPD und wurde als Stadtverordneter in der Stadt Gießen gewählt. Von 1972 bis 1979 war er eh-renamtliches Mitglied des Magistrats der Stadt Gießen. Als größte Herausforderung dieser Zeit sieht er die Integration der ausländischen Arbeitnehmer und die Auseinandersetzung mit der NPD.

Stoll wurde am 6.4.1921 in Ostheim im Kreis Hanau geboren. Bis 1935 Schule, ab 1935 Dunlop Hanau, Lehre als Werkzeugmacher. Als Geselle war er ein dreiviertel Jahr in seinem Lehrbetrieb tätig und wurde im März 1939 zum Arbeitsdienst und als Erntehelfer gezogen. Mit Beginn des zweiten Weltkrieges musste er als 18-jähriger zum Militär und erlebte den zweiten Krieg zunächst im Frankreichfeldzug, später beim Luftwaffen-Bodenpersonal und im Balkan, ab 1942 beim Polen- und Russlandfeldzug. Am Ende des Krieges erlitt er an der Westfront eine Kriegsverletzung und desertierte kurz vor Kriegsende. Die Grausamkeiten des Kriegs, die er bis zu seinem 24. Lebensjahr erleben musste, prägten Stolls Engagement für Demokratie, Frieden und soziale Gerechtigkeit in der Nachkriegszeit umso mehr.

Fritz Stoll war einer der ersten Betriebsräte in Hessen. 1946 fing er bei dem Adler-Zweigwerk Bruchköbel bei Hanau in seinem Beruf an, trat der IG Metall bei und wurde in den Betriebsrat des Adler-Werks Bruchköbel gewählt, dessen Vorsitzen-der er wurde. 1949 wurde er Betriebsrat im zentralen Adler-Werk in Frankfurt, nachdem die Produktion dorthin verlegt wurde. 1951 wurde er freigestellter Be-triebsrat des etwa 5.000 Beschäftigte unfassenden Adler-Werkes, bevor er 1959 zur IG Metall als Gewerkschaftssekretär wechselte.

Im Januar 1949 heiratete er Anna Stoll, geb Geis. 1960 zog er nach Krofdorf-Gleiberg, seit 1963 wohnt er in Gießen.

Während seiner Tätigkeit als DGB-Kreisvorsitzender war Stoll in der Selbstverwaltung der Sozialversicherungsträger für die Versicherten engagiert:
• 1958 bis 1968 war er Mitglied der Vertreterversammlung der Landesversiche-rungsanstalt der Rentenversicherung in Hessen.
• 1962 bis 1986 Mitglied Vertreterversammlung und im Vorstand der AOK Gießen, deren alternierender Vorsitzender er 1966 wurde. Ab 1966 nahm er die Interessen der Versicherten beim AOK Landesverband als alternierender Vorsitzender der Vertreterversammlung und Vorstandsmitglied des Landesverbandes wahr.
• 14 Jahre lang war er Mitglied des Verwaltungsausschusses beim Arbeitsamt Gießen, davon drei Jahre als Vorsitzender.

Er hat eine Tochter, zwei Enkel und drei Urenkel. Die sechsjährigen Zwillinge Michele und Giovanni halten ihn auch heute noch auf »Trab«. Seine Ehefrau starb im Januar 2003. Seit dieser Zeit führt er seinen Haushalt allein. Früher wanderte er sehr viel und machte mit seiner Frau auch Reisen durch ganz Europa. Aus gesundheitlichen Gründen ist ihm dies heute nicht mehr möglich. Er benutzt den Stadtbus, um selbst in der Stadt einzukaufen und ist viele Strecken zu Fuß unter-wegs. Auch als 90-jähriger nimmt er die politischen Ereignisse mit hohem Interesse war. Er nimmt noch immer jedes Jahr an der Kundgebung zum 1. Mai teil und beteiligt sich an den Treffen der Gewerkschaftssenioren in Gießen.

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