Gesundheitsversorgung in Stadt und Land

Am Samstag 29. Juni 2013 führte der SPD Mittelhessen- Vorstand mit Unterstützung des SPD Bezirks Hessen-Süd in Gießen Allendorf eine Konferenz zum Thema „ gute Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum“ durch. Vorstandssprecher Rüdiger Veit, MdB, begrüßte die Vertreter der mittelhessischen Unterbezirke. Hauptredner bei dieser Veranstaltung waren der hessische SPD Landes- und Fraktionsvorsitzende Thorsten Schäfer Gümbel und der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Professor Dr. Karl Lauterbach, MdB.

Thorsten Schäfer-Gümbel betonte den Grundsatz der sozialen Gerechtigkeit als Maßstab sozialdemokratischer Gesundheitspolitik. Aktuell äußerte er sich zur Situation am Universitätsklinikum Gießen Marburg und betonte, die Fusion war richtig aber „die Privatisierung war falsch, ist falsch und bleibt falsch“.

Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion und Mitglied im Kompetenzteam des Kanzlerkandidaten Steinbrück, Professor Dr. Karl Lauterbach, MdB erläuterte die Grundsätze der Sozialdemokraten für die Gesundheitspolitik. Richtschnur müsse sein, dass jeder als Patient die Versorgung bekomme, die er brauche und seine Versorgung nicht davon abhänge „ was er hat“. Bis zu den Wahlen am 22. September 2013 gelte es herauszustellen, wie erheblich sich die Gesundheitspolitik der Sozialdemokraten von der der schwarz-gelben Regierungskoalition unterscheide. Die SPD trete für eine solidarische Bürgerversicherung ein und lehne das Konzept einer Kopfpauschale strikt ab. Die Arbeitsbedingungen von Ärzten und pflegendem Personal und darüber hinaus der vielen im technischen Bereich tätigen Mitarbeiter im Gesundheitswesen müsse man im Auge behalten und für faire Arbeitsbedingungen sorgen. Wer gut pflegt müsse von seinem Gehalt auch gut leben können.

Aus kommunaler Sicht setze sich der Landrat des Lahn Dillkreises, Wolfgang Schuster, für die Möglichkeit der Kommunen ein, sich direkt an so genannten medizinischen Versorgungszentren zu beteiligen und diese z.B. in Kooperation mit Ärzten betreiben zu können. Die Zusammenführung von ärztlichem Notdienst und Rettungsdienst in einer Leitstelle nach dem Vorbild des Lahn Dill -Kreises sei der von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) beabsichtigten Zentralisierung des gesamten Notdienstes hessenweit über ein Callcenter ausdrücklich vorzuziehen.

Als weiterer Referent betonte Edgar Franke, MdB, die notwendige Aufwertung des Hausarztes. In den kommenden Jahren drohe aufgrund der Altersstruktur ein erheblicher Rückgang der Hausarztversorgung. In nahezu allen Landkreisen seien die Ärzte und Ärztinnen im Schnitt über 50 Jahre alt, so dass in den nächsten 10-15 Jahren viele Arztsitze frei würden. Die ärztliche Ausbildung an den Universitäten müsse besser am medizinischen Versorgungsbedarf ausgerichtet werden. Die bisherige strikte Trennung von stationärer und ambulanter Versorgung müsse in der Zukunft aufgehoben werden. Integrierte Versorgungssysteme müssten gestärkt und die Delegation und Substitution ärztlicher Leistungen finanziell attraktiver werden. Die Stärkung der hausarztzentrierten Versorgung sei von zentraler Bedeutung. Dabei verpflichte sich der Versicherte für mindestens ein Jahr bei gesundheitlichen Problemen immer zuerst zu seinem Hausarzt zu gehen. Der Hausarzt habe dann eine Lotsen- oder Portalfunkton für den Patienten. Niemand kenne seine Patienten besser als der langjährige Hausarzt.

In seinem Schlusswort wies Gerhard Merz, MdL, noch einmal auf die besonderen Probleme in der Gesundheitsversorgung von Menschen mit Migrationshintergrund hin. Ihnen sei der Zugang zur ärztlichen Versorgung häufig erschwert. Zugangsbarrieren müssten abgebaut werden.

In den beiden einstimmig verabschiedeten Anträgen sprach sich die Mittelhessen- Konferenz für eine gute Gesundheitsversorgung in Stadt und Land aus und betonte zur Zukunft des Universitätsklinikums Gießen und Marburg, dass die Privatisierung die falsche Entscheidung war und gescheitert sei. Alle Befürchtungen der Sozialdemokraten seien eingetreten, insbesondere ein erheblicher und gefährlicher Personalabbau, eine Gefährdung von Forschung und Lehre, eine mittelfristige Infragestellung der medizinischen Versorgung und die Nichteinhaltung von Investitionsverträgen insbesondere im Zusammenhang mit der so genannten Partikeltherapieanlage. Auch ökonomisch sei die Privatisierung gescheitert. Wenn die eingetretenen Fehlkalkulationen jetzt durch Steuerzuschüsse ausgeglichen würden, hätten die erforderlichen Investitionen auch von Anfang an über öffentliche Mittel finanziert und das Klinikum in Landesbesitz bleiben können.

Hier ein paar Fotoimpressionen:

 

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