„Barrierefreiheit im öffentlichen Verkehr ist innerhalb der nächsten sieben Jahre umzusetzen“

Die Mitglieder des SPD ZOV Arbeitskreises Verkehr gemeinsam mit Stadt- und Kreispolitikern der SPD Gießen und den Gesprächspartnern vor dem modernisierten Bahnhof in Gießen.

Auf Areal des ehemaligen Güterbahnhofs könnte ein Fernbusbahnhof entstehen

GIEßEN/LAUTERBACH/FRIEDBERG/. Um sich vor Ort über die Umsetzung der Barrierefreiheit im öffentlichen

Verkehr zu informieren, kamen die Mitglieder des SPD Arbeitskreises Verkehr in der Verbandsversammlung des Zweckverbands Oberhessische Versorgungsbetriebe (ZOV) am modernisierten Bahnhof in Gießen zusammen. Der Arbeitskreisvorsitzende Swen Bastian konnte dazu den Leiter Bahnhofsmanagements, Roland Meuschke, Herrn Ralf Pausch von der Koordinierungsstelle, Verkehr, Planung, Umwelt, Energie der Stadt Gießen und Christian Heimbach, den verkehrspolitischen Sprecher der SPD Gießen, sowie zahlreiche Stadt- und Kreispolitiker als Gesprächspartner begrüßen.

„Bund, Länder und Kommunen müssen sich gemeinsam der Verantwortung einer umfassenden Integration mobilitätseingeschränkter Fahrgäste im Personenverkehr annehmen. Angesichts eines Anteils von etwa 20 % mobilitätseingeschränkter Personen, wie ältere Menschen, kleine Kinder, werdende Mütter, körper- oder wahrnehmungsbehinderte Menschen und Personen mit Kinderwagen oder schwerem Gepäck, wird die Bedeutung des Integrationsziels besonders anschaulich“, machte Swen Bastian einführend deutlich.

Die politische Zielbestimmung in Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention sieht eine vollständige Barrierefreiheit im ÖPNV bis 2022 vor. Dass bei der Umsetzung das „Gesamtsystem“ im Blick zu behalten ist, machte Bahnhofsmanager Meuschke deutlich. Dazu gehörten neben der Infrastruktur und den Fahrzeugen auch die Information der Fahrgäste sowie eine regelmäßige Reinigung und Winterdienst, um tatsächlich eine barrierefreie Nutzbarkeit sicher zu stellen. „Für die Umsetzung der politischen Zielbestimmung des Bundes, die mit Zustimmung der Länder eingeführt wurde, brauchen die Aufgaben- und die Baulastträger, insbesondere für die Umrüstung bestehender Anlagen und Fahrzeuge vor den üblichen Modernisierungszyklen, eine sachgerechtere personelle und finanzielle Ausstattung“, so Anette Henkel aus Buseck. Da innerhalb der kommenden sieben Jahre die Barrierefreiheit realisiert sein müsse, gelte es keine Zeit verstreichen zu lassen.

Ralf Pausch von der Stadt Gießen erläuterte anhand des im Jahr 2008 modernisierten Gießener Bahnhofsvorplatztes, wie Infrastruktur und die Fahrgastinformationssysteme ausgestaltet werden können. Nachdem die Stadt den Platz von der Bahn erworben hatte, wurde dieser umgestaltet und als Lokalbusbahnhof ausgebaut. Ein barrierefreies Fahrgastinformationssystem bietet auf Wunsch auch gesprochene Echtzeitinformationen über die nächsten Busverkehre. Der Bahnhof und die Bahnsteige selbst wurden ebenfalls bis 2008 durch die Deutsche Bahn modernisiert. Die Investitionskosten lagen bei rund 20 Millionen Euro.

Im Zuge einer angedachten Entwicklung des ehemaligen Güterbahnhof-Areals, auf dem ein Fernbusbahnhof, ein Hotel, ein zusätzliches Parkhaus sowie Wohnbebauung entstehen könnten, sind weitere Maßnahmen zum Abbau von Barrieren angedacht. Neben einem möglichen Durchbruch und der Öffnung der Gleisunterführung hin zu dem Areal, könnte auch die Brücke über die Bahngleise einer baulichen Veränderung unterzogen werden. Roland Meuschke erläuterte, dass ein Geschäftsfeld von DB Station und Service der Bau und Betrieb von Fernbusbahnhöfen in Deutschland ist. Am Hauptbahnhof von Frankfurt hatten die Bauarbeiten für ein solches Projekt erst kürzlich begonnen.

„Die dringende Notwendigkeit den öffentlichen Verkehr barrierefrei zu gestalten, ist unbestritten. Deshalb gilt es, in gemeinsamer Abstimmung zwischen Bund, Ländern und Kommunen eine Lösung zu finden, um die Investitionskosten dieser Herkulesaufgabe schultern zu können“, sagte Peter Pilger aus Biebertal. Der Zweckverband Oberhessische Versorgungsbetriebe befasse sich derzeit in seinen Gremien mit der Frage, wie die Umsetzung innerhalb des Verbandsgebiets, der drei Landkreise Vogelsberg, Gießen und Wetterau, bis zum Jahr 2022 erreicht werden könne.