„KLARE UND PRAXISTAUGLICHE KRITERIEN BEI DER LEHRERZUWEISUNG ERFORDERLICH!“

Dieser Einschätzung schlossen sich die anwesenden Schulfachleute an. Zu
viel fachfremder Unterricht mache deutlich, dass die Versorgung mit
Fachleuten nicht ausreiche. "Katastrophalster Schulbeginn seit langem",
kritisierte Rolf Beyer, Schulleiter der Georg-Kerschensteiner-Schule in
Biebertal. "Es darf nicht sein, dass die zuständigen Sachbearbeiter alle
zur selben Zeit Urlaub nehmen und sich niemand mit der
Problembearbeitung befasst." Die Förderfrage im inklusiven Unterricht
sei nicht geklärt. Es fehlten klare Richtlinien, welche die
Förderungsanträge der Eltern erleichterten.

Klaus Steup Vertreter des GEW- Kreisverbands Gießen-Land, machte auf die
sinkende Zahl der Schüler aufmerksam. Waren es letztes Schuljahr noch
823 Schüler, sind es in diesem Jahr bereits zehn Schüler weniger. Diese
Tatsache führe zum Verlust von vier Lehrerstellen. Das Problem seien vor
allem auch die Zuweisungskriterien, die klar definiert und nicht nur von
der Anzahl der Schüler abhängig seien dürften, da die
Klassenbildungsprinzipien auf die jeweilige Schulform abgestimmt seien
müssten. Thorsten Schäfer-Gümbel sah auf Grund des demographischen
Wandels die Notwendigkeit einer stringenten Lehrerbedarfsplanung. "Der
zukünftige Bedarf an Lehrern ist noch nicht geklärt. Es liegt uns keine
Planung für eine langfristige Perspektive vor", antwortete Steup.

Georg Schiele, Leiter des Studienseminars für Grund-Haupt- und
Realschulen in Gießen, sprach das Problem der fehlenden Ausbilder an.
"Es sollten zum 1.8. 36 Auszubildende bei uns aufgenommen werden,
allerdings wurde die Zahl dann ohne unser Zutun auf 58 erhöht. Dafür
fehlt uns die Kapazität und wir können nicht mehr für eine qualifizierte
Ausbildung garantieren." Angesprochen wurde auch das Thema
Quereinsteiger mit berufsbegleitender Ausbildung. "Quereinsteiger sind
oft nicht qualifiziert ausgebildet und dienen nur der Lückenfüllung.
Dadurch besteht die Gefahr, dass die Qualität des Lehrpersonals sinkt",
bemängelte Rüdiger Veit. Christian Bluhm, Personalrat am Studienseminar
für berufliche Schulen in Gießen erklärte: "Berufschulen dienen oft als
Versuchsobjekt für neue Projekte. Bei uns werden neue Lehrmethoden
erprobt, welche sich aber oft negativ auf den Unterricht auswirken.
Zudem stimmt die Verteilung der Lehrer nicht, da es durchaus vorkommt,
dass die Schulen teilweise interne Vorstellungsgespräche mit angehenden
Referendaren führen."